Realtalk zum Schwarzmarkt

Ich möchte heute ein paar Worte zum Thema „Schwarzmarkt“ verlieren. Dieser wird als natürliche Folge von Überregulierungen und staatlichen Eingriffen immer wieder genannt.

Und das ist auch richtig!

Wer sich Länder mit sehr strengen Regulierungen anschaut, wird in allen einen sehr starken Schwarzmarkt finden. Und dabei ist es recht egal, um welches Genussmittel es geht. Panama, das sehr strenge Tabakregulierungen besitzt und auch deshalb der Ort war, an dem COP 10 stattfand, ist da ein gutes Beispiel. https://financialpost.com/opinion/tax-dollars-public-servants-panama-anti-nicotine-summit . Ca 90% des Tabakhandels dort wird mittlerweile vom Schwarzmarkt dominiert.

Heißt das aber, dass ohne Regulierung kein Schwarzmarkt existiert?

Wenn wir auf einen Markt schauen, der überhaupt nicht reguliert ist, dann gibt es natürlich auch keinen „Schwarzmarkt“. Aber einen komplett unregulierten Markt gibt es für Genussmittel kaum. Man könnte sagen, dass dies beim Dampfen in D bis ca. 2014/2016 der Fall war, aber selbst da gab es schon gewisse Regeln, an die man sich hätte halten sollen.

Mit den ersten Regulierungen im Rahmen der TPD2 bzw. dem TabakErzG in 2016 fing der Schwarzmarkt hier an. Allerdings reden wir hier dann primär über Produkte, die nur formal nicht legal waren. Vor allem die recht sinnlose 6-monatige Stillhaltefrist wurde fleißig ignoriert. Dazu sind viele Flüssigkeiten ohne Anmeldung aus dem (primär EU-) Ausland importiert und verkauft worden. Formal alles nicht erlaubt, aber kaum mit dem zu vergleichen, was wir heute sehen.

Es wurden aber damit schon die Grundsteine gelegt, dass der Gesetzgeber stärker reguliert.

Und dann kam der Einwegboom

Und damit ein Produkt, das brutale Margen und Umsätze versprach. Summen, die durchaus mit dem Drogenhandel zu vergleichen sind. Und ab hier hatten wir plötzlich ein richtiges Schwarzmarktproblem.

Was ist aber mit der Steuer? werden viele jetzt fragen.

Und ich sage dazu ganz klar:

Die spielt dabei keine große Rolle!

Zum einen fing das auch hier schon vor der Steuer in großem Maße an und zum zweiten spielen die 20 Cent/ml bei den relativ kleinen Einwegs keine so relevante Rolle wie bei größeren Gebinden.

Wer hier kein „vor Steuer“ Schwarzmarkproblem gesehen hat, der wollte es nicht sehen.

Beispiele von „anderswo“ ohne Steuer

https://tobaccoreporter.com/2022/08/25/dunne-illicit-vapes-a-big-problem-in-u-k/

UK hat keine „Substitute“-Steuer. Auch hat UK de facto keine 6-monatige Stillhaltefrist. Anmelden und mit Veröffentlichung der Anmeldung darf verkauft werden.

Und trotzdem geben Branchenverbände dort zu, dass 40-60% des Einwegmarktes durch illegale Produkte beherrscht werden.

Wohlgemerkt: das sind die Zahlen der Branchenverbände, die gegen ein Einwegverbot argumentieren!

Und das obwohl der dortige Einwegmarkt mit viel geringeren Margen operiert als das in D der Fall ist! https://vapers-insight.de/2022/07/28/disposables-in-uk-und-d/

5 für 20?

4 für 14?

Und trotzdem finden wir dort in Onlineshops ganz offensichtliche illegale Produkte

4000 Puffs? Klar sind das nur 2ml …. Das schreibt man zwar auf die Packung, aber halt auch nur, um es Kontrolleuren schwerer zu machen. Wie hier in D ja auch. Hier ein Bild einer 4,8ml Einweg, deren deutsche Umverpackung 2ml angibt.

Und das ist in Frankreich nicht anders.

Und was sehe ich heute primär in den Händen der Einweg-Dampfer, wenn ich in Mannheim/Ludwigshafen/Heidelberg und Co unterwegs bin?

Tornados und andere Modelle, die mehr oder weniger drin haben, was die Hersteller versprechen. Erworben entweder Online, im Kiosk ums Eck oder beim „Shishafachhändler“. Alle illegal und ungeprüft.

Der Schwarzmarkt ist also schon lange da!

Und man kann hier auch klar sagen, dass der Staat versagt. Anzeigen gegen Verkäufer, die man schon fast als Großhändler bezeichnen könnte, werden oft eingestellt. „Mangelndes öffentliches Interesse“ bekommt man dann als Grund genannt.

Nur der Zoll macht da was. Der ist aber logischerweise alleine personell komplett überfordert. Was jetzt niemanden überraschen dürfte und was auch definitiv vorausgesagt wurde.

https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/121251/5715599

Nur als Hinweis: Bei 27000 „Einwegs“ mit 108000€ Steuerschaden sind das knapp 20ml je Modell. Wir reden also hier von der 12000-14000 Puff Klasse, die ich heute in den Kiosken hier immer öfter sehe.

Aber das würde bei weiteren Regeln und höheren Steuern doch schlimmer oder?

Weitere Regulierungen und vor allem Aromenverbote würden natürlich zu einem merklich extremeren Schwarzmarkt führen.

Nimmt man dem Markt die legalen Alternativen weg, bleibt nur der Schwarzmarkt!

Das können wir in Australien und co. wunderbar sehen. Der ganze Markt wird von der lokalen organisierten Kriminalität kontrolliert oder gerade übernommen.

Ob sich aber die weiteren Steuerschritte in D ähnlich massiv auswirken werden?

Ich glaube es nicht. Wir sehen gerade live am Markt, dass viele der Kunden bereit sind, prefilled Pods und 10ml Liquids zu kaufen. Und das zu Preisen, die noch 2020 undenkbar gewesen wären. Ob die noch kommenden Steuerschritte von 20 Cent auf 32 Cent sich da merklich auswirken, darf man wohl Stand heute bezweifeln. Was man sich aber überlegen sollte als Branche, ist die aktuelle Preisgestaltung. 40 Cent Steuererhöhung und viele hauen einen ganzen Euro UVP drauf ist schon etwas, das Kunden das Gefühl gibt, dass manche noch abgreifen, was geht, bevor uns eh das Aromenverbot einholt. Natürlich verstehe ich den instinktiven Ansatz jedes Händlers, seine Marge zu halten. Ob man aber Genussmittelsteuern da nicht eventuell ausnehmen sollte? Anderswo ist das eher üblich 🙂

Fazit:

Ich halte die aktuellen „Vorhersagen“ bezüglich des Schwarzmarktes bei einem reinen Einwegverbot für Panikmache. Die Kunden, die aktuell legale Produkte erwerben, würden dann halt prefilled Pods kaufen. Sind eh billiger.

Solange wir aber keine Aromenverbote bekommen, sehe ich keinen externen Trigger, der über Gier hinausgeht und den Schwarzmarkt befeuert. Selbiger wird von Top-Margen und einer komplett versagenden Strafverfolgung getragen.

Eine effektive Verfolgung der illegalen Einwegs im nötigen Ausmaß sehe ich auch nicht kommen. Die Ordnungsbehörden sind nicht tief genug in der Materie, um das „Katz und Maus Spiel“ gegen findige Importeure und Lügen auf den Packungen zu gewinnen. Und der Zoll kümmert sich nur um die Steuer.

Ich lass mich mal überraschen, wie es ausgeht.

Aber viel Hoffnung über die nächsten 2 Jahre hinaus habe ich für D nicht mehr. Da ist zu viel schon verbrannt.