Disposables

Eine Erklärung und Bewertung von Einweg-E-Zigaretten sowie ihre Geschichte am Markt und ihre Vor- und Nachteile. Wo kommen sie her und wieso erleben sie aktuell ein Revival. Und natürlich unsere Einschätzung dazu. Vor allem der Umweltaspekt ist hier direkt als ein massiver Nachteil zu erwähnen.

Vorwort:

Wir wollen zuerst den Unterschied zwischen einer „Disposable“ und einem Podsystem klar definieren.

Disposable: Eine E-Zigarette, die mit Liquid gefüllt und mit einer geladenen Batterie versehen ist. Man kann das Liquid nicht nachfüllen. Ist der Tank leergedampft, wird das komplette Teil weggeworfen. Bei den 2ml Modellen, welche uns in der EU begegnen werden, ist normalerweise kein nachladbarer Akku verbaut. In den USA gibt es aber Modelle mit bis zu 10ml (Stand Ende 2021) die über einen nachladbaren Akku verfügen.

Prefilled (geschlossenes) Podsystem: Die Pods sind ab Werk mit Liquid gefüllt und nicht nachfüllbar. Sie werden, wenn sie leer sind, als Ganzes getauscht. Die Müllmenge ist immer noch relativ hoch. Aber im Vergleich zu Einwegdampfen schneidet diese Produktklasse schon viel besser ab. Der Akku und Elektronikteil wird nachgeladen und mehrfach (meist mehrere Hundert Mal) benutzt.

Offenes Podsystem: Wie die prefilled Podsysteme, aber die Pods werden mit eigenem Liquid selber (nach)gefüllt. Es gibt diese mit wechselbaren und mit fest verbauten Coils.  Je nach Nutzungshäufigkeit und Liquid kann der Pod/Coil durchaus 4 Wochen halten. Die Müllmenge liegt bei einem Bruchteil dessen, was Disposables und auch prefilled Pods erzeugen.  

Die Geschichte der Einweg-Produkte kann man bis 2004 zurückverfolgen. Es ging also direkt zum Beginn des Dampfens schon damit los. (1)

Vorteile

  • Es soll für den Kunden so einfach sein wie Zigaretten das auch sind. Kaufen, Schachtel aufmachen und los gehts. Kein Akku, den man laden muss, kein Liquid einfüllen und auch nichts, was man kompliziert bedient. Auspacken und dran ziehen ist alles. Wie bei Kippen.

Damit ist der Hauptvorteil der Disposables zumindest für uns in Deutschland auch schon gefunden.

Einwand

Natürlich ist der bekannte Einwand, dass diese Produkte auch als Notfalldampfe taugen, wenn einem z. B. abends in der Kneipe/Disco/etc. Liquid oder Akku ausgeht, berechtigt. Aber wie relevant ist dann denn wirklich? Und würde es da nicht auch ein normales Podsystem im Auto oder von der Tanke tun?

Herkunft

Grade zu Beginn der Geschichte der E-Zigarette, als Akkus und Tanks in den Kinderschuhen steckten, hatten diese Modelle ihre erste Blütezeit. Auch weil es noch kaum Dampfer gab, keine Fachgeschäfte und man im privaten Umfeld keine Ansprechpartner hatte bei Problemen.

Und dann verschwanden sie ab ca. 2011 mehr und mehr vom Markt und wurden von moderneren Systemen, die meist nachfüllbar waren, verdrängt. Zumindest waren diese Systeme nachladbar. Die Marktanteile der Disposables waren bis 2019 recht vernachlässigbar. Der vermutlich relevanteste Vertrieb war in dieser Zeit njoy in den USA und diese sind 2016 in Chapter 11 gegangen.(2)

Nachteile

  • Der Umweltaspekt muss ganz klar zuerst genannt werden. Es gilt es zu beachten, dass Einwegdampfen nicht in den Hausmüll bzw. den Mülleimer an der Straße gehören, sondern quasi „Sondermüll“ bzw. „Elektroschrott“ sind.
  • Einer der großen Nachteile der Einwegsysteme war und ist der Preis! Die Kosten der Disposable liegen zwar oft unter den Kosten für Zigaretten, aber immer noch merklich über denen von nachfüllbaren Systemen. Und das um den Faktor 200-1000%. Allerdings nicht auf die die Erstanschaffung, sondern auf Dauer gerechnet. Man kauft ja quasi jedes Mal die Elektronik, den Akku, den Verdampfer und die Coil mit.
  • Der geringe Einstiegspreis wirkt grade für junges Publikum verlockend. Und dieses Publikum wird bereits jetzt aggressiv via TikTok und co. beworben! Wer es nicht glaubt darf gerne mal danach suchen!

Podsysteme generell

Ab ca. 2017 gab es zuerst in den USA einen Boom von extrem einfachen, vorgefüllten Podsystemen, wie Juul, Vuse und Blu die den bis dahin von offenen Systemen beherrschten Markt quasi komplett aufgerollt haben. Klein und handlich, preiswerter als Kippen und in Supermarkt/Tanke und co. erhältlich war ein Erfolgsmodell, das den Dampfermarkt dort mehrheitlich übernommen hat. Das dort bis zu 60mg/ml

Der vorher dominante Hobby- und Fachhandelsmarkt wurde dabei zumindest in den USA dabei hart getroffen. Natürlich gab es auch vor 2017 solche Produkte am Markt. Der große Boom fing aber da an.

Dabei muss man aus deutscher Sicht allerdings einige Besonderheiten des dortigen Marktes beachten:

  1. Die Zigarettenpreise in den relevanten Märkten (Ost- und Westküste) liegen merklich über denen in Deutschland. Und diese stellen überall das maximale Preisniveau für den Massenmarkt dar.
  2. Es gibt und gab in den USA primär einen Markt für fertige Liquids mit Nikotin im Fachhandel. Das Preisniveau dafür war und ist merklich höher als in Deutschland. Das macht prefilled Pods für die Kunden interessanter, als das hier der Fall ist.
  3. Der US-Fachhandel und auch die dortigen Anbieter waren sehr stark auf den reinen (DL) Hobbymarkt ausgerichtet und haben den umsteigenden Raucher fast komplett vergessen (3). Das sah man massiv im Produktsortiment, das angeboten und auch in den USA hergestellt wurde.
  4. Dort sind sehr hohe Nikotinstärken von bis zu 60mg/ml erlaubt und werden auch genutzt.
  5. Es gibt dort auch keine 2ml Begrenzung wie hier bei geschlossenen Pods. Disposables mit bis zu 10ml sind am Markt. Und natürlich sind Geräte mit mehr Inhalt pro ml gesehen merklich preiswerter.

Das PMTA Thema

Disposables fallen in den USA nur teilweise unter die PMTA-Regulierung. (4) Die FDA reguliert dort auf der Grundlage das „unser“ Nikotin zum Dampfen ja aus Tabakpflanzen gewonnen wird und sie daher für die Regulierung zuständig sind. Zitat aus der Begriffsdefinition:

„Liquids that do not contain nicotine or other material made or derived from tobacco, but that are intended or reasonably expected to be used with or for the human consumption of a tobacco product, may be components or parts and, therefore, subject to FDA’s tobacco control authorities.“

Da man einer Disposable nicht glaubhaft unterstellen kann, das sie dafür gedacht ist, sie mit nikotinhaltigen (gemeint ist Nikotin aus Tabakpflanzen) Liquids nachzufüllen sei und man auch ihr nicht glaubhaft unterstellen kann es wäre „mit ausreichender Wahrscheinlichkeit zu erwarten“, das Leute dies tun werden, ist sie hier außen vor. Und diese Begriffsbestimmung ist der Grund, wieso diese Produkte heute wieder ein solches Thema werden. (5) Und Trends aus den USA kommen fast immer auch hier an.

Kombiniert man das damit, dass die FDA klar dazu steht, dass dort nur die Geschmäcker Tabak, Minze und Menthol regulär zugelassen werden, dann bewirkt das, das alle anderen Flavors mittlerweile quasi nur noch in Form von Disposables vertrieben werden können. Und wir wissen alle, wie wichtig gute Geschmäcker sind!

Und wer mal z.B. auf die Seite von Puffbar schaut der findet dort die klare Aussage:

„All Puff Bar products listed on this website contain nicotine but do not contain tobacco or anything derived from tobacco. Puff Bar products are not intended for use with any tobacco product or any component or part of a tobacco product.“

Das sieht bei den anderen im US-Einzelhandel aktuell üblichen Sorten ähnlich aus.

Allerdings will die FDA dieses Schlupfloch auch zeitnah schließen. Ob das so einfach ist, muss sich zeigen. (6)

Wieso sehen wir ein Revival der Einwegprodukte?

Diese Frage stellen sich aktuell viele und die wichtigsten Antwort kann man recht einfach finden:

  • (manche) Disposables fallen in den USA nicht unter die PMTA Regulierung. (4) Mir war bis vor kurzem gar nicht bewusst das dieser Punkt hier vielen nicht bekannt ist. Die Details dazu sind schon weiter oben erklärt.
  • Die in vielen Ländern aufkommenden Restriktionen, was den Handel mit E Zigaretten angeht, kombiniert mit dem Lobbyismus gegen selbige führt zum Rückgang vom Fachhandel. Und Disposables brauchen keinen Fachhandel!
  • Versandhandelsverbote verschärfen das Thema noch. Hat man kein Fachgeschäft vor Ort dann bleibt einem oft keine Wahl!
  • Disposables verkaufen sich auch ohne Beratung und Einweisung gut und sind „Idiotensicher“ bedienbar. Von daher sind sie ein Produkt, das man in Tankstellen und Supermärkten neben der klassischen Zigarette verkaufen kann ohne jeden Beratungsaufwand. Auspacken und losdampfen.

Wieso versucht man aber auch in Deutschland diese Produkte so aggressiv am Markt zu platzieren?

Wir erleben seit Jahren das Teile der Branche es mit einer soliden Marktanalyse nicht so haben. Genauso wenig wie mit langfristigem Denken und Planen. Man springt oft auf Trends auf, ohne diese zu verstehen. Dieses Verhalten ist seit Jahren bei vielen Firmen und auch Händlern schön zu erleben. Jedes Produkt/jede Produktklasse, das auch nur halbwegs erfolgreich vom Markt angenommen wird, muss sofort von allen nachgebaut und auf den Markt geworfen werden, bis keiner mehr genug davon verkaufen kann. Und es geht weiter zum nächsten Hype und die Lager vieler sind voll mit kaum noch verkäuflicher Ware. Und das trifft nicht nur auf Hardware zu. Hier bei den Disposables sieht man das schön, dass man die Besonderheit der Regulierung des US-Marktes nicht richtig verstanden hat, aber glaubt, das Ganze weltweit so vermarkten zu können.

Ein paar große Anbieter werden damit kurz- und mittelfristig Geld verdienen.

Die breite Masse aber nicht. Disposables werden in D den Fachhandel, der eh schon unter vielen Problemen leidet, massiv schädigen. Dieser wird dadurch für eine relevante Anwahl von Kunden unnötig. Fällt der Fachhandel in sich zusammen, wie es z. B. in den USA bereits passiert ist, dann bleiben die Kunden ohne Beratung und Auswahl vor Ort zurück. Neukunden für den Hobbymarkt gibt es dann auch fast keine mehr. Und das wird sich spätestens in ein 1-2 Jahren auch auf Firmen auswirken, die aktuell noch glauben, das Einwegdampfen in ihrem Marktsegment nicht relevant werden.

Disposables werden zumindest mittelfristig über die gleichen Kanäle vertrieben werden wie Kippen. Von der Marge dieser Produkte wird kein Fachhandel überleben können. Und niemand sollte seine „Rettung“ vor den zu erwartenden Umsatzeinbrüchen durch die Steuer im Markt der Disposables erhoffen.

Steuer

Aufgrund der 2ml Limitierung in D fällt die kommende Liquidsteuer dem Kunden weniger offensichtlich im Endpreis auf. Sie fällt aber genauso und in gleicher Höhe an.

Zu erwartende Reaktionen des Staates

Jeder der auch nur etwas über den Tellerrand hinausschauen kann sollte klar sehen das dieser Trend natürlich weitere Regulierungen durch den Gesetzgeber nach sich ziehen wird. Produkte wie Disposables lassen alte WHO Forderungen wie „Mindestpreise“ zum Zwecke des Jugendschutzes sehr Sinnvoll erscheinen.

Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen das der Gesetzgeber aber mit Sicherheit wieder viel zu breit Regulieren wird, um die zu erwartenden Ausweichbewegungen der Branche direkt mit zu erfassen.

Fazit:

Aus Konsumentensicht muss man diese Wegwerfprodukte ablehnen.

Allein der Umweltaspekt, der zu sehr großen Sondermüllbergen führen wird, sollte das für jeden klar machen.

Dazu kommt das man sich ganz wenig Komfort mit einen massiv höheren Preis erkauft.

Wer aktuell im Handel seine Hoffnung auf solche Produkte legt, denkt zu kurzfristig. Und schafft sich selber mittelfristig ab.

(1) https://www.iloveecigs.com/blog/en/what-is-a-disposable-e-cigarette-and-where-did-it-come-from/

(2) https://www.csbankruptcyblog.com/2016/09/articles/recent-developments/new-delaware-chapter-11-filing-njoy-inc/

(3) https://e-dampfen.info/glossary/direkt-auf-lunge-dampfen/

(4)  https://www.fda.gov/media/133880/download (Seite 9 unten, Fußnote 21)

(5) https://time.com/6098897/vaping-companies-synthetic-nicotine/

(6) https://tobaccoreporter.com/2021/11/18/fda-synthetic-nicotine-may-be-subject-to-regulation/