#beschde oder so

Fast generell werden neue Produkte nur noch als #beschde und #mussmangekaufthaben sowie #revolutionär angekündigt. Einen „normalen“ Release gibt es kaum noch. Niemand bringt mehr ein „gutes“ Produkt heraus. Heute muss es das #beschde sein, egal ob Hardware oder Liquids. Wie viele „weltbeste“ Mango-, Erdbeere- oder Melone-Liquids zB sind dieses Jahr released worden? ZU viele 🙂 ! Von den Pods und deren Anpreisungen wollen wir gar nicht anfangen…

In diesem Beitrag befassen wir uns etwas breiter mit dem Thema „neue Produkte auf dem Dampfermarkt“. Speziell die Anpreisungen durch Anbieter, Influencer sowie durch die Community und die Fans zeigen hier ebenfalls quer durch alle Parteien ein seltsames Verhalten gegenüber Kritik. Seit meinem ersten Blogbeitrag zieht sich das Thema Kritikfähigkeit durch meine Beiträge und das mit gutem Grund. Denn daran mangelt es massiv!

Und wehe dem, der das in Frage stellt. Dem wird mittlerweile auf einem persönlichen Level vorgeworfen, er sei ein „Hater“, „Neider“ oder er habe ja sowieso „keine Ahnung“. Und insgesamt sei die Community generell toxisch geworden. Jede Kritik wird als „Neid und Missgunst“ angesehen. Sie kommt offenbar von ganz armen Schluckern, die den Erfolg des wunderbaren neuen Produktes nicht ertragen können. Das Ganze wird dann noch als deutsches Problem dargestellt – die angeblich typische „Neidkultur“ dieses Landes. Wenn Kunden heute in Frage stellen, ob Preis und Leistung zueinander passen, werden sie als geizig bezeichnet. Generell wird selbst fachliche und belegbare Kritik immer aggressiver und persönlich angegangen.

Die Rolle der Werbung

Fast alles, was heute in der Dampferszene neu auf den Markt geworfen wird, leidet darunter, dass man langfristigen Erfolg einem kurzen Hype opfert, sowohl vom Hersteller aus als auch von den Influencern und der Community aus. Es wird jede Woche eine neue „Sau“ durchs Dorf getrieben, die einfach das #beschde in allem sein soll. Das meiste, was neu kommt, wird als eierlegende Wollmilchsau angepriesen, die natürlich quasi das ganze oder zumindest einen überwiegenden Teil des Marktsegmentes abdeckt, wenn man dem Marketing und dem Hype glaubt.

Es werden RTAs angepriesen, die der Werbung nach von straffem M2L bis DL alles in Perfektion können. Oder rein DL von richtig restriktiv bei kleiner Leistung bis Open Draw bei >200 Watt. Und natürlich kann sie ein Blinder mit zwei linken Händen sofort perfekt wickeln. Es gibt Pods, die angeblich mit Top Selbstwicklern mithalten und natürlich von straffem M2L bis DL alles top erledigen. Dazu existieren plötzlich Fertigcoils, die angeblich mit den „üblichen“ Hypeliquids 4 Wochen und länger halten. Es werden jede Menge Versprechungen gemacht, von denen man bei minimalem Nachdenken mühelos herausfinden könnte, dass sie gar nicht wahr sein können. Die Influencer und Teile der Community machen leider grossteilig fleissig dabei mit. Es fällt auch immer mehr auf, dass der Hype, der schon Wochen vor Release sehr gezielt geschürt wird (was solange man realistisch bleibt in seinen Versprechen absolut ok ist!), eigentlich mit dem Release abrupt endet.

Früher hatten wir den Eindruck, dass ein Produktmarketing für Neuerscheinungen teilweise sehr lange am Laufen gehalten wurde. Und so wurden einige echte „Klassiker“ generiert.

Heute ist es am Releasetag bei den meisten vorbei; am Tag drauf fangen die „Spoiler“ zum nächsten Produkt oder Nachfolger an, der natürlich alles noch viel besser macht! Und den man logischerweise kaufen MUSS, weil er eine Revolution darstellt. Selbst der Versuch, ein lange laufendes erfolgreiches Brand aufzubauen wird kaum (es ist wirklich selten geworden, aber es kommt noch vor!) unternommen.

Das ganze findet nur noch in einer kleinen Blase statt

Den Umsteigermarkt hat man zu lange fast komplett den Pods und damit auch grossteilig den Tabakmultis überlassen. Und das schon lange vor der aktuellen Podschwemme aus China, die „nur“ eine Reaktion auf den sich rasch verändernden ( primär US-) Markt ist. Juul in den USA und auch hier die Tabakkonzerne mit ihren geschlossenen Systemen erreichen ein Publikum, das der klassische Fachhandel nicht (mehr?) erreicht und das viele anscheinend gar nicht (mehr) erreichen wollen.

Wenn wir uns die Produkte anschauen, die ab Mitte 2016 bis Anfang 2019 primär vermarktet, „beworben/reviewed“ und angepriesen wurden, finden wir da kaum ein Einsteigerkit, aber ganz viel für sehr fortgeschrittene Dampfer.

Das fängt bei den (unsäglichen) Shortfills an, die es nur bis 3mg/ml gibt und hört bei Dualtopcoilern auf, die angeblich jeder Einsteiger wickeln kann. Erst jetzt mit dem aktuellen M2L und Pod Boom – der zwar auf dem Gesamtmarkt schon Anfang 2018 massiv begann, sich in der „Blase“ aber erst im zweiten Quartal 2019 wirklich gezeigt hat – wird wieder mehr an den Einsteiger gedacht. Auch da geht aber jedes Marketing in die Blase hinein, umsteigewillige Raucher werden kaum erreicht.

Influencer

Nur um das hier klar zu stellen: Natürlich sind mit „Influencer“ hier primär die bezahlten und unbezahlten Reviewer gemeint, die oft schon vor Release des Produktes die Werbetrommel rühren. Aber gerade wenn es um Hypes geht, sind sehr wohl auch viele aktive Nutzer in Foren und Gruppen gemeint!

Die Mitschuld der Community

Wir sehen viele Posts und Kommentare, in denen es sinngemäss heißt: „Das ist doch schon alt, aber schau dir X von Anbieter Y an, das frisch herausgekommen ist, das ist ganz neu und toll“. Gern werden auch Produkte empfohlen, die es noch gar nicht gibt und von denen der Empfehlende nichts ausser der Werbung kennt (kennen KANN!). Natürlich wird soetwas auch massiv von den Marketingabteilungen und vielen Influencern befeuert, denn man will etwas Neues verkaufen. Aber auch die aktiven Teilnehmer in der „Blase“ sind dabei massiv mitschuldig!

Leider wird „neu“ von vielen immer noch mit „besser“ gleichgesetzt.

Es werden Produkte bei denen jeder – der sich auch nur die Bilder mit einem klaren Kopf anschaut – weiss, dass sie den Werbeversprechungen nie gerecht werden können, als wahre Wunderprodukte hingestellt. Die Kunden kaufen sie, und dann kommt bei vielen der „Katzenjammer“, weil das, was alles versprochen wurde, natürlich nicht eingehalten wird. Wie auch?! „Schuld“ ist dann meistens das Produkt an sich. Es ist ja wirklich oft so, dass die Werbung Dinge verspricht, die man selbst freundlich gesinnt dem Produkt nicht ehrlich zugestehen kann! Aber immer ist das nicht so… Der enttäuschte Kunde zieht zum nächsten Hype weiter (zumindest ein paarmal klappt das meistens!).

Der Anbieter hat zwar sein Produkt verkauft, und die Influencer haben es erfolgreich beworben, aber ob der Kunde den Nachfolger auch noch kauft? Oder ob er seine Negativerfahrung sogar generell dem Anbieter und auch dem werbenden Influencer gegenüber nachträgt? Recht oft hört man mittlerweile Aussagen wie „von Anbieter X kaufe ich nichts mehr, denn Produkt Y hat mich sehr entäuscht“, oder auch „der fand auch Produkt Z toll, dem glaube ich nicht mehr“.

Klarstellung

Um es noch einmal zu betonen: Nur weil ein Produkt den komplett überzogenen Hype nicht erfüllt, muss es nicht schlecht sein! Es kann sogar wirklich sehr gut sein! Nur eben nicht so, wie den Kunden vor dem Kauf suggeriert und versprochen wurde! Und eventuell auch nicht so einfach im Handling wie beschrieben. Darin liegt ein langfristiges Problem in der Szene/Branche, das man angehen sollte, bevor man sich den Ruf und die Glaubwürdigkeit völlig ruiniert hat!

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